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Corona-Aufarbeitung wie nach 1945? Dr. Wolfgang Wodarg über Verdrängung, lokale Aufarbeitung und „Täter ohne Konsequenzen“

Von Nicole Hammer, Wissensgeist.TV

Wie können Bürger „wachgerüttelt“ werden, um die Aufarbeitung der Corona-Politik aktiv mitzugestalten? Dr. Wolfgang Wodarg nennt das im Interview eine schwierige Aufgabe. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, wie viel Menschen aus seiner Sicht hingenommen hätten. „Wir haben erlebt, dass die Menschen unheimlich viel Leid hingenommen haben und dass sie sich haben belügen lassen“, sagt er. Für viele sei es zudem schwer, überhaupt zuzulassen, dass sie getäuscht worden sein könnten.

Zwar seien Menschen auf die Straße gegangen und hätten protestiert. Gleichzeitig beschreibt Wodarg eine Atmosphäre aus Druck und Angst, die viele zum Schweigen bringe. Er sagt, manche schieben das Thema weg: „Viele haben Angst, und sie verdrängen das zum Teil – obwohl sie nach der Spritze krank geworden sind. Einige verdrängen das trotzdem.“

Schweigen in der Medizin – und Geld als Motiv

Besonders wundert Wodarg nach eigener Darstellung das Schweigen in der Medizin. Gerade Ärzte hätten es „besser wissen“ müssen, dennoch beobachte er „so großes Schweigen“. Als Erklärung nennt er finanzielle Anreize und spricht davon, Ärzte seien „bestochen“ worden beziehungsweise hätten stark profitiert. Er nennt konkrete Vergütungen: „Bei uns gab es 15 Euro für den Test und 30 Euro für die Spritze.“

Wodarg schildert, manche hätten in kurzer Zeit sehr viel daran verdient. Das erschwere aus seiner Sicht die Aufarbeitung zusätzlich, weil sich dann die Frage stelle, ob Patienten „zu Lasten“ ihres Wohls behandelt worden seien.

Aufarbeitung: nicht national, sondern dort, wo es passiert ist

Wodarg hält eine Aufarbeitung auf nationaler Ebene für wenig realistisch. Entscheidend sei die Ebene, auf der Menschen Maßnahmen konkret erlebt haben – bei Ärzten, Gesundheitsämtern und Behörden. „Wenn sowas geschieht, dann kann man das nur regional machen“, sagt er. Kommissionen auf höherer Ebene hält er demgegenüber für anfällig, am Ende nur „Alibi-Geschichten“ zu sein.

Sein zentrales Argument ist sozial: Nach den Konflikten müssten Menschen wieder miteinander leben. „Dass die Gesellschaft so gespalten ist, das ist unerträglich“, sagt er. Aufarbeitung bedeute deshalb auch, einander wieder begegnen zu können, Fehler zu erkennen und Konsequenzen zu ziehen – ohne Untaten zu beschönigen.

Bestrafen – aber differenzieren

Wodarg fordert, zwischen Irrtum, Unwissen und bewusstem Handeln zu unterscheiden. Ein Beispiel, an dem er diese Differenz festmacht, ist für ihn die Frage, ob jemand selbst an das Vorgehen geglaubt habe oder vor allem aus Geldmotiven gehandelt habe. Er sagt: „Es ist ein großer Unterschied, wenn ein Arzt diese Spritze gibt, viel Geld dafür bekommt, sie sich selbst aber nicht gibt – und seiner Familie auch nicht.“

Wer nach seiner Darstellung wissentlich Unrecht getan habe, müsse bestraft werden. „Die, die das gemacht haben, die eigentlich wussten, dass sie was Böses tun, die müssen auch bestraft werden“, sagt er. Dazu gehöre aus seiner Sicht auch Rückzahlung von Geld: „Und das Geld zurückzahlen, was sie verdient haben.“

Gleichzeitig kritisiert Wodarg die Justiz. Er sagt, er sehe Entscheidungen, bei denen Ärzte verurteilt und sogar eingesperrt worden seien, die ihre Patienten hätten schützen wollen. In seiner Darstellung kehrt sich damit Verantwortung um: Nicht die entscheidenden Akteure würden zur Rechenschaft gezogen, sondern einzelne Abweichler.

Der Vergleich mit 1945: Kontinuitäten und Verdrängung

Den schärfsten historischen Vergleich zieht Wodarg mit Blick auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Er beschreibt, dass damals viele Täter im System geblieben seien – in Medizin, Justiz und Schule. Er verankert diese Beobachtung in eigener Erinnerung: „Ich hatte Lehrer gehabt, das waren alte Nazis.“

Daraus leitet er eine Warnung ab: Gesellschaften könnten unangenehme Wahrheiten lange verdrängen, und Aufarbeitung setze mitunter erst in späteren Generationen ein. „Diese ganze Geschichte ist erst weg, wenn die Generation ausgestorben ist, die das gemacht hat“, sagt er. Das sei „keine schöne Perspektive“. Umso wichtiger sei es für ihn, dass die nachwachsende Generation nicht erneut unkritisch geprägt werde. Er spricht in diesem Zusammenhang von „Brainwashing“ und sagt, er würde seine Kinder aus der Schule nehmen, wenn er so etwas wahrnehme; er würde „alles tun“, um sie davor zu schützen.

Demokratie, Parteien und Abwahl

Wodarg weitet die Kritik von der Corona-Politik auf das politische System aus. In einer Demokratie müsse politisches Handeln „vom Volk“ ausgehen; derzeit sei das aus seiner Sicht nicht der Fall. Er kritisiert Parteien als Zwischenschicht zwischen Bürgern und Parlament: „Zwischen uns und unserem Repräsentanten im Parlament ist immer noch eine Partei dazwischen. Die haben da nichts zu suchen.“

Sein Gegenentwurf sind direkt gewählte Abgeordnete, die auch abgewählt werden können. Er nennt als Beispiel eine Schwelle: Wenn „10 Prozent“ der Wahlberechtigten einem Abgeordneten nicht mehr trauten und ihn für korrupt hielten, müsse es eine Neuwahl geben. Parteienzwänge und Koalitionslogik lehnt er ab; stattdessen solle im Parlament jeder Abgeordnete aus seinem Wahlkreis seine Position einbringen und Mehrheiten suchen.

„Systemische Korruption“, Transparenz und Subsidiarität

Wodarg spricht von Korruption als strukturelles Problem in Politik und Wissenschaft. Es müsse „transparent“ sein, damit Bürger erkennen könnten, ob Amtsträger das tun, „was wir ihnen anvertraut haben“, oder ob sie von Druck und Interessen beeinflusst werden. Solche Kontrolle sei in kleinräumigen Strukturen eher möglich: In der Kommune könne man ins Rathaus gehen, kenne die Beteiligten und wisse, wie sie in ihre Positionen gekommen seien. Bundespolitik sei „weit weg“, Entscheidungen auf EU-Ebene noch weiter.

Er verbindet diese Diagnose mit einer Kritik an Vereinheitlichung, Monopolisierung und Kontrolle durch wenige. Vielfalt habe früher nicht geschadet; heute dominierten aus seiner Sicht Monopole. Als Beispiele nennt er große Ketten, etwa im Lebensmittelhandel und in der Müllentsorgung. Sein Leitbegriff ist „Subsidiarität“: Was Menschen vor Ort selbst regeln können, sollen sie auch selbst regeln – weil es überschaubarer und kontrollierbarer ist und Autonomie Motivation schafft.

WHO, Pandemieangst und Prävention

Auch internationale Gesundheitsstrukturen kritisiert Wodarg scharf. Zur WHO sagt er: „Wir brauchen sie gar nicht.“ Er argumentiert, dass weltweite Mobilität und der Austausch von Mikroorganismen Alltag seien; schwere Ausbrüche würden überhöht dargestellt. „Der Winter ist die Pandemie“, sagt er und meint damit Atemwegsinfektionen in der kalten Jahreszeit.

Wodarg kritisiert „Angstmachen“ (er nennt es „Fearmongering“) und stellt die These auf, moderne Medizin profitiere davon, Menschen zu verunsichern und abhängig zu machen. Nach Wodargs Darstellung sterben in Deutschland jährlich 15.000 Menschen an Nebenwirkungen; 400.000 bis 500.000 müssten wegen schwerer Nebenwirkungen ins Krankenhaus.

In diesem Zusammenhang sagt Wodarg, die WHO werde von Sponsoren beeinflusst. Er beschreibt frühere Alarme (Vogelgrippe, Schweinegrippe), die Rolle von Szenarien, Modellrechnungen und Verträgen sowie wiederkehrende Interessen rund um Patente. Seine härteste Zuspitzung lautet: „Die WHO ist eine Agentur für Insidergeschäfte.“

Als Gegenmodell fordert Wodarg Prävention und Gesundheitskompetenz – besonders bei Kindern. Gesundheit beginne früh: Bewegung, Ernährung, Lebensweise, kritisches Denken. Er wendet sich gegen „Gehorsamkeitserziehung“ und sagt: „Wir brauchen Kinder, die kritisch sind, die Fragen stellen.“

Merz, BlackRock und „Drehtürpolitik“

Im Interview wird Wodargs Systemkritik an einer Person konkret. Er nennt die Frage, ob Friedrich Merz das Gesundheitssystem unabhängiger von Konzernen machen könne, eine „rhetorische Frage“. Er verbindet Merz’ politische Rolle mit dessen früherer Nähe zu BlackRock und sagt: „Der ist Aufsichtsrat von BlackRock Deutschland gewesen. Sonst qualifiziert ihn nichts.“ Er spitzt weiter zu: „Das ist praktisch nicht der Merz, der da jetzt Kanzler wird, sondern BlackRock Deutschland.“

Wodarg ordnet das in eine umfassendere Kritik an Lobbyismus ein. Er spricht von „Drehtürpolitik“ und sagt, viele Minister und Spitzenpolitiker seien später Lobbyisten großer Konzerne geworden – „von allen Parteien“. Parteien seien aus seiner Sicht ein Hebel, über den Lobbyinteressen im Parlament durchgesetzt würden; das sei „intransparent und nicht demokratisch“.

Im Zusammenhang mit Corona spricht Wodarg über die Finanzierung der Impfkampagne durch Steuergelder und Krankenkassenbeiträge. Er nennt die Mittel „Gift“ und sagt: „Dieses Zeug, dieses Gift ist von unseren Steuergeldern bezahlt. Das ist ein Verbrechen.“ Seine Zuspitzung richtet sich am Ende auch gegen die Wählerschaft: „Die Menschen fallen drauf rein und wählen die sogar.“

Fazit

Wodarg fordert eine Aufarbeitung, die für ihn nicht in großen, entfernten Gremien beginnt, sondern dort, wo Entscheidungen umgesetzt wurden: in Gemeinden, Behörden, Arztpraxen und im direkten sozialen Umfeld. Er verlangt Differenzierung, aber auch Konsequenzen: Wer wissentlich geschädigt habe, müsse bestraft werden und Geld zurückzahlen. Seine historische Warnung ist eindeutig: Wenn Täter im System bleiben und Gesellschaften verdrängen, wird Aufarbeitung zur Generationenfrage. Umso mehr setzt er auf lokale Kontrolle, Transparenz und eine Bildung, die Kinder zu Kritik und Eigenverantwortung befähigt.

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www.fairch.com

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Bahnhofstrasse 6
5210 Windisch
https://www.fhnw.ch/de/die-fhnw/hochschulen/hsw/events/campusglobal-brugg-ukraine-13-3

Dr. Manfred Sapper ist Chefredakteur der Zeitschrift OSTEUROPA, einem führenden wissenschaftlichen Organ im deutschsprachigen Raum. Er überblickt wie wenige die historischen und politikwissenschftlichen Forschungen, aber auch die tagespolitischen Diskussion zum Krieg in der Ukraine.

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